Banking geht auch ohne Bank

Banking & Technology 2018. Banking im digitalen Umbruch

Die Banking & Technology Konferenz 2018 stand ganz im Zeichen des digitalen Umbruchs. Wie die notwendige Transformation der Bankenbranche gelingen kann, darüber diskutierten führende Experten aus dem In- und Ausland.

Banking geht auch ohne Bank!

„Fürs Banking braucht es keine Bank mehr!“, akklamierten „FinTech-Masterminds“ wie André M. Bajorat (figo) oder Gil Cohen (Open Legacy) – und „gestandene Banker“ wie RBI-COO Andreas Gschwendtner gaben ihnen recht. Banken, die das nicht erkennen, laufen Gefahr in einer Welt mit PSD2, der neuen Zahlungsdienst-Richtlinie der EU, zum bloßen Abwickler zu verkommen. Der Kunde entscheidet über den richtigen Ort und vor allem den passenden Kontext für die Nutzung seiner Finanzen. Es sind neue Player, die typische Banking-Aufgaben übernehmen. Als Beispiel nannte Bajorat in seiner Keynote die Zusammenarbeit von Google und PayPal. „Die Banken wollten alle nicht mitspielen und jetzt macht PayPal das Geschäft. Der Kunde hat sein Konto zwar bei der Bank XY, die Dienstleistung erbringt aber PayPal.“

 

v.l.n.r. Martin Szelgrad, Marco Selva, André M. Bajorat, Gil Cohen 

 

Der Kunde ist König, jetzt wirklich!

Kunden haben ihre Gewohnheiten verändert, entscheiden digital und erwarten digitale Prozesse. „Es ist nicht mehr tragbar, einen Antrag schriftlich ausfüllen zu müssen und in eine Bankfiliale zu laufen, um ein Geschäft abzuschließen. Kunden erwarten, dass Überweisungen nicht innerhalb von zwei Tagen, sondern sofort abgewickelt werden“, so Bajorat. Haben die Banken das Vertrauen ihrer Kunden verspielt? „Die Menschen vertrauen immer mehr auf das, was im Alltag funktioniert. Vertrauen hat mittlerweile viel mehr mit Nutzen zu tun als damit, dass es mich bereits 100 Jahre gibt“, mahnt der Experte.

 

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Alexa, wie ist mein Kontostand?

Nicht die Banken selbst, sondern Plattformen werden darüber bestimmen, wo Banking stattfindet, Banking wird Teil eines Prozesses in Google Home etc. „Ich spreche dann nicht mehr mit meiner Bank, sondern bitte eben Alexa um eine Überweisung.“ Banken brauchen also ein anderes Mind-Set und müssen Software und Daten als echte Werte verstehen, und im Sinn ihrer Kunden nutzen. „Die Entwickler, das sind die Künstler unserer Zeit! Sie sind die wichtigsten Player in den Banken und können die Probleme lösen“, ist Bajorat überzeugt. Mit einem innovativem Beispiel ging vor einigen Jahren die Deutsche Bank voran: alle Konten, auch von anderen Banken, können über ein DB Asset geführt werden. Dass der Veränderungsprozess relativ langsam passiert, liegt vermutlich daran, dass Banken das Vertrauen bezüglich Datensicherheit genießen. Noch. „Vor kurzer Zeit war es auch nicht denkbar, dass Taxis ernstzunehmende Konkurrenz haben werden. Und jetzt gibt es Uber“, zog RBI-COO Andreas Gschwendtner einen logischen Vergleich. Er möchte sein Institut wieder zu einem „robusten Start-up“ machen: kleine Teams, flache Hierachien, Flexibiliät und Innovation über die Produkte.

 


Julian Hosp, Blockchain Guru

 

Daten sind das neue Gold

„Blockchain ist nichts anderes als eine dezentrale Datenbank!“ Mit dieser einfachen Formel brachte Keynote-Speaker Julian Hosp das heiße Thema auf den Boden. In der Öffentlichkeit werde die Blockchain-Technologie fast ausschließlich mit Kryptowährungen in Zusammenhang gebracht. „Ein Fehler!“, wie Hosp betonte. Blockchain ist die Antwort auf die Frage: „Wie können Daten absolut sicher und unhackbar gespeichert werden?“ Die Anwendungsgebiete gehen weit über Bitcoin & Co. hinaus: vom Wertpapier zu Patientendaten, von Künstlicher Intelligenz bis zur Logistik. Vermögenswert, nicht Währung, ist daher auch die vom Experten favorisierte Bezeichnung. Die Vermögenswerte sind schwierig miteinander zu vergleichen. „Der Wert liegt letzten Endes im Auge des Betrachters Es kommt auf die Anzahl der Leute an, die den Wert des Assets anerkennt“, so Hosp.

Transparenz und Anonymität

Dass Kryptowährungen illegalen Geschäften Vorschub leisten würden, weist Hosp entschieden zurück. „Das Gegenteil ist der Fall. Beim ‚digitalen Gold‘ dürfen alle dabei sein, es ist ein offenes, zu 100 Prozent transparentes und zensurresistentes System. Jeder speichert alles, das heißt, wenn ich gute Rechner habe, kann ich bis zu den Anfängen zurückrechnen. Eine Transparenz und gleichzeitig Anonymität, die bei herkömmlichen Geldflüssen nicht möglich war.“ Der Visionär sieht in der neuen Technologie Möglichkeiten für die gesamte Gesellschaft. „Das Internet funktioniert deshalb so gut, weil es allen offensteht, ich sehe ähnliche Chancen für Blockchain.“ Hosp skizziert ein mögliches Zukunftsszenario: Wer in Zukunft seinen Kaffee über eine Blockchain bezahlt, könnte darüber entscheiden, wer welche Information dafür bekommt. Alle Unternehmen, die an der Produktion des Kaffees beteiligt waren, könnten direkt profitieren. Leute, die heute die ärmsten sind, haben die Chance am Anfang der „Nahrungskette“ zu stehen.

Millenials – die Kunden von morgen

Für die Zukunft sieht Hosp Security Token, Stable Coins und Non Fungible Tokens im Kommen. Vor allem Millenials, die ihre Geschäfte unabhängig und flexibel abschließen möchten, finden an den neuen Technologien Gefallen.

 

transparency increases trust!

 

Als Beispiel nennt Hosp ein Windrad, das in 100.000 Teile tokenisiert werden kann. Über eine App sind die Tokens leicht handelbar, sekündlich kann der Investor den Wert verfolgen. „Es entsteht eine andere Kompatibilität, die dezentrale Datenbanken ermöglichen ein leichtes Ein- und Aussteigen, der Zugang wird ein völlig anderer.“ Das größte Potenzial sieht Hosp in Non Fungible Tokens. „Was Kinder und Programmierer lieben, wird groß“, ist der Experte überzeugt. Die Sammlerleidenschaft wird angesprochen, aus Codes lässt sich ein handelbarer Wert erzeugen. „Bei einer limited Edition sehe ich beispielsweise auf der Blockchain, dass ich ein Teil ergattert habe – aber ich sehe auch, dass die anderen irgendwo hinwandern. Früher musste ich vertrauen, dass das, was mir die Firma mitteilt, nämlich dass ich das 6. von 500 Stücken gekauft habe, den Tatsachen entspricht. Es bewahrheitet sich wiedermal: transparency increases trust!“

Ob das auch bedeutet: "transparancy increases revenue" wird eine der zentralen Fragen der 3. Banking & Technology Konferenz 2019 sein

 

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Georg Reiser

Als sprichwörtliche Leseratte verbringt Georg den größten Teil seiner Zeit auf der Suche nach dem "Friedhof der verlorenen Bücher" oder wartet hoffnungsvoll auf Godot. Wenn er nicht gerade Abenteuer in seinem Kopf besteht, versucht er seinem Namen gerecht zu werden und möglichst viel von der Welt zu sehen.

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