Credit Risk 2017

Credit Risk: Globale Reform der Regeln für Finanzinstitute noch nicht vollendet

Mit der 25. Auflage der „Credit Risk“ gelang ein würdiges Jubiläum. An den beiden Veranstaltungstagen trafen Spitzenvertreter der Bankenszene mit über 100 Risk Managern und Fachexperten zusammen.

„Die Banken sehen sich heute mit Herausforderungen konfrontiert, die in ihrer Geschichte einmalig sind. Die anhaltenden Niedrigzinsen bedrohen die Ertragsbasis der Branche und die Bewältigung der regulatorischen Auflagen bindet Ressourcen, die anderenorts dringend gebraucht würden. Dem nicht genug, drängen seit einigen Jahren neue Player auf den Markt, die es auf die Geschäftsmodelle der Kreditinstitute abgesehen haben“, brachte es Business Circle Gastgeber Gerhard Pichler im Rahmen der Konferenz auf den Punkt.

Ein besonderes Highlight war die Diskussionsrunde mit hochrangigen Vertretern der Aufsicht, der Notenbank und der Kreditinstitute. Sabine Lautenschläger, Mitglied des Direktoriums der EZB, eröffnete: „Die nach der Finanzkrise initiierte globale Reform der Regeln für Finanzinstitute ist zu vollenden. Mehr als acht Jahre nach der Krise brauchen Banken regulatorische Sicherheit. Das Finanzsystem ist global und benötige daher auch globale Regeln.“

Die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer hatte kürzlich bekräftigt, die in als „Basel III“ bezeichnete Reform zum Abschluss zu bringen. An die Selbstregulierungskräfte der Märkte glaube sie seit 2008 nicht mehr. Die Bankenregulierung sei nicht nur dazu da, um den Steuerzahler zu schützen. Sie ziele ihrer Ansicht auch darauf ab, für Finanzstabilität zu sorgen.

Johann Strobl, der eben angelobte CEO der Raiffeisen Bank International, konterte: „Gegen Regulierung spricht nichts. Doch den Banken wird viel abverlangt und wir würden uns wünschen, dass uns das eine oder andere erklärt wird. Rund 80 Prozent unserer Investitionen sind in Datenbank-Modelle gegangen. Die Kostenbelastungen der Banken sind enorm.“ Helmut Ettl, Vorstand der Finanzmarktaufsicht, gab zu: „Es wurde seit 2008 nicht einfacher.“ Er unterstich in seinem Statement die hohe Notwendigkeit von Eigenkapital sowie Asset-Qualität und meinte „die Cost-Income-Ratio der Banken könnte besser sein“. Andreas Grünbichler, CFO & CIO der Wüstenrot-Gruppe, verhehlte nicht: „Wegen der Regulierungsanforderungen muss in anderen Bereichen gespart werden.“

Andeas Ittner, Vize-Gouverneur der OenB, konstatierte „einen steigenden Wettbewerb durch FinTechs.“ Er wünschte sich regulatorische Vereinfachungen für kleinere Banken. Für Alexandra Habeler-Drabek, Chief Risk Officer der Slovenska Sporitelna/Erste Group, ist „nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Regeln entscheidend. So schmerzhaft deren Umsetzung ist, es gibt einen klaren Mehrwert.“

Anschließend waren sich die Diskussionsteilnehmer einig, dass die österreichischen Banken auf dem richtigen Weg sind, wenngleich momentan für Innovationen weniger Budget übrigbleibt. „Wir mussten noch nie so schnell sein wie heute. Die Kooperation und nicht die Konfrontation mit FinTechs ist daher sinnvoll“, resümierte Habeler-Drabek.

Weitere Themenschwerpunkte der Credit Risk waren u.a. die Geschäftsmodelle der Banken, Advanced Analytics & Automatisierung im Kreditgeschäft, die SREP-Harmonisierung sowie BASEL IV und neue Kennzahlen.

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Bildnachweis: © Business Circle

Heiko Hofmann

Heiko ist ein alter Hase im Business, kommt ursprünglich aus Bayern und ist in Frankfurt aufgewachsen. Er liebt Tweed und Tracht, fährt jährlich auf ein Sommerlager und genießt Abends gerne mal Single Malt oder eine Pfeife.

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