Kommunalwirtschaft: Nachhaltige Regionalentwicklung

Über riskante Entwicklungsstrategien, Fortschritt und Abhängigkeit referierte Chris Müller am Kommunalwirtschaftsforum. Das kreative Mastermind der Tabakfabrik war im Gespräch mit engagierten Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern.

Und plötzlich war der Büffel weg. Für Indianer stellte das Tier das Zentrum ihrer Überlebensstrategie dar. Der Bison war Grundlage ihrer Ernährung und Wirtschaft. Nachdem Kolonisten den Büffel aber binnen kurzer Zeit ausgerottet hatten, fehlte den Indianern die Grundlage für ihr Leben. Ähnlich erging es auch vielen Gemeinden in Österreich.

Chris Müller erzählte am Kommunalwirtschaftsforum von seinen Eltern, deren Leben an die Kohle gebunden war. Alle Menschen im Dorf hatten auf irgendeine Weise mit dem Bergwerk zu tun. Arbeit und Wohlstand des Dorfes war eng mit der Ressource verbunden. Als der Abbau von Kohle nachließ, hatten viele Familien keine Existenzgrundlage mehr.

Wenn Sie meinen, dass ein solcher Umschwung heute nicht mehr möglich ist, denken Sie an die Autoindustrie oder die Landwirtschaft. Der technische Fortschritt wird immer schneller und am Beginn der Digitalisierung muss jede Kommune für die Zukunft planen. Nur einen einzigen großen Vorteil zu haben, kann ebenso eine große Schwäche sein.

Schwieriges Erbe, neue Chancen

Mit einem solchen Wandel hat auch Christine Holzweber zu kämpfen. Sie ist Bürgermeisterin der Stadtgemeinde Eisenerz und sprach am Kommunalwirtschaftsforum über nachhaltige Regionalentwicklung. Nachdem der Erzabbau an Bedeutung verloren hatte, musste sich die Gemeinde neu orientieren und kämpft seitdem mit starker Abwanderung. Wo damals 13.000 Einwohner lebten, wohnen heute nur mehr 4.000. Vor allem der Leerstand von Gebäuden stellt eine Herausforderung für die Stadtverwaltung dar. Holzweber spricht sich dagegen aus, die Leerstände abzureißen.

Seit 2007 betreibt die Stadt eine Aktion, welche die sinnvolle Nutzung von Gebäuden zum Ziel hat und damit Anreize für den Zuzug nach Eisenerz schaffen soll. Beispielsweise wurden leerstehende Hallen zu Lehrwerkstätten und Sportmöglichkeiten umgebaut. Damit möchte man Jugendlichen die Möglichkeit geben, Lehre bzw. Matura und Spitzensport zu kombinieren. Ungenutzte Tunnel im Erzberg stellt die Gemeinde der Montanuniversität Leoben für die Forschung zur Verfügung. Auf diese Weise kann die Stadt durch innovative Projekte wieder an Bedeutung gewinnen.

Innovation als großes Thema am Kommunalwirtschaftsforum

Gerade im ländlichen Raum ist es nicht immer leicht, Innovationen umzusetzen. Elisabeth Feichtinger ist Bürgermeisterin von Altmünster und weiß, dass es in der Bevölkerung bei kreativen Projekten oft zu Ablehnung kommt. Weil der Nutzen nicht immer gleich ersichtlich ist, regt sich häufig Widerstand gegen Veränderung. Deshalb ist für sie die Kommunikation ein integraler Bestandteil von innovativen Projekten. Ebenso ist Transparenz wichtig, um die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen.

Die Verständigung über Gemeindegrenzen hinweg ist für Severin Mair ein Anliegen. Der ehemals jüngste Bürgermeister Österreichs arbeitet in seiner Gemeinde Eferding daran, alte Strukturen aufzubrechen. Das betrifft zum Beispiel die Grenzen von Gemeinden. Diese sind heute oft nicht mehr zweckmäßig und sollten sich an neuen gesellschaftlichen Strukturen orientieren, beispielsweise an Schulen oder Vereinen. Hier möchte er neue Lösungen anbieten. Dabei darf man die Bevölkerung aber nicht mit innovativen Konzepten überfordern. In seiner Verwaltung bemüht sich Mair daher, gleichermaßen Jüngere und Ältere einzubeziehen. Wie jedes Team braucht auch die kommunale Verwaltung verschiedene Kompetenzen. Das soll die Zusammensetzung der Gemeinde abbilden und eine Weiterentwicklung innerhalb der Verwaltung ermöglichen.

Das Kommunalwirtschaftsforum fand am 15./16. März 2018 zum siebten Mal statt. Um sich über diese und andere Veranstaltungen von Business Circle zu informieren, folgen Sie uns auf Facebook oder abonnieren unseren Newsletter.

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Bildnachweis: © Pexels

Christina Fuchs

In einer Geschichte von Astrid Lindgren wäre sie bestimmt Sachensucherin. Ob beim Kochen, beim Essen gehen, beim Reisen, oder beim Schwammerl sammeln in den heimischen Bergen, Christina liebt das Abenteuer fernab von ausgetretenen Pfaden.

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