Keine Angst vor Legal Tech: 10. Unternehmensjuristen-Circle in Stegersbach

 

Wie Karina Reisner in ihrer Eröffnung betonte, heißt Wissens- und Erfahrungsaustausch auch, die Perspektive zu wechseln, womit sie sich als neue Gastgeberin vorstellte.
Die Fachmoderation wurde heuer von Katja Tautscher von Borealis übernommen und wird künftig zwischen den Mitgliedern des Fachbeirates wechseln. Weil es keine Lobby oder Kammer für Unternehmensjuristen gibt, sind Austausch und Netzwerk auf Augenhöhe umso wichtiger. Der Unternehmensjuristen-Circle soll neben dem Big picture und Trends auch neue Impulse für die tägliche Arbeit liefern.

Alle Neuerungen auf einen Blick?

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Keynote: Als Leiter Rechtsabteilung die Rechtsabteilung auch leiten

Michael Winkler von der Daimler AG in Stuttgart eröffnete mit der Feststellung, dass es eine ideale Rechtsabteilung nicht geben kann, jede Branche ist anders Banken funktionieren anders als Industrie, es gibt Unterschiede nach Unternehmensgröße und Management-Kultur. Im modernen Rechtsbereich wird proaktives Handeln vom Vorstand immer mehr gefordert. Und der Leiter der Rechtsabteilung muss sich auch die Zeit nehmen, seine Mitarbeiter wirklich zu führen, ohne im Daily Business zu versinken.
Wie so oft ist es eine Frage des Mindset: Digitalisierung ist keine Gefahr. Für Aufgaben wie Führung, proaktiv und nicht auf Zuruf arbeiten, wird man in Zukunft mit dem gezielten Einsatz von Technologie mehr Zeit haben. Winkler warnte aber davor, Digitalisierung als Allheilmittel zu betrachten:
"Einen Kraut-und-Rüben-Prozess bekommen Sie auch mit Legal Tech nicht in den Griff"

“Keep me out of jail” – aber was noch?

Daniela Karollus-Bruner (CMS) und Alexandra Simotta (Six Payment Service) behandelten mit dem Themenkomplex Vorstandshaftung, Verwaltungsstrafrecht, Untreue und Datenschutz aktuelle Themen und Dauerbrenner für den Legal Counsel. Insbesondere zur seit kurzem in Kraft getretenen DSGVO wurde angemerkt, dass es ein Teil der Job Description des Datenschutzbeauftragten ist, sich unbeliebt zu machen. Der Vorstand exkulpiert sich nicht, wenn als DTS-Beauftragter nur ein Strohmann ohne ausreichende Befugnisse installiert wird.
Ein rechtliches Update zu einem weiteren Hauptbetätigungsfeld von Unternehmensjuristen, der Vertragsgestaltung, gaben Lukas Flener, Fellner Wratzfeld & Partner und Stephan Lurger, SIGNA REM Transactions, wobei ein besonderes Augenmerk auf Change of Control lag. Unter anderem behandelten sie arbeitsrechtliche Verträge, M&A Verträge (von Erwerber- und Veräußererseite), Liegenschaften – sowohl in Miet- als auch in Grundverkehrsrechtlicher Hinsicht.

Die Round Table Sessions

  • Patrick Prokesch von i5invest: Kooperation Startups und Old Economy – was tue ich als Legal Counsel, wenn mein Unternehmen ein Startup kaufen will?
  • Karoline Berger, Siemens: Talentemanagement - Millenials sind von der Arbeitswelt enttäuscht (und Unternehmen von Millenials). Wer sind die richtigen Mitarbeiter von morgen und wie kann man sie finden, holen, halten?
  • Christa Drobesch, Finanzmarktaufsichtsbehörde: Wirtschaftlicher Eigentümer Register Gesetz (WiEReG): Welche Erfahrungen haben Unternehmen schon sammeln können
  • Sonja Herbst (Staatsanwältin in Wien): Wie kann der Unternehmensjurist proaktiv mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten, was braucht die StA, wie findet man gemeinsam am besten aus einer Krise?
  • Alexander Schall, UniCredit Bank Austria: Der General Counsel als Problemlöser, welche Strategien der Konfliktlösung gehen über das Rechtliche hinaus, welche Kompetenzen werden gebraucht?
  • Alfred Autischer, Gaisberg Consulting: Was tun, wenn Streitfälle öffentlich werden oder wenn man eben genau das noch verhindern will?
    Wie arbeitet die Rechtsabteilung mit Medien zusammen, wie geht man mit Medienvertretern um?

Schiedsgerichtsbarkeit - what‘s hot?

Alexander Petsche, Baker McKenzie stellte zusammen mit Alice Fremuth-Wolf vom Vienna International Arbitral Centre und Friederike Schäfer vom International Court of Arbitration in Paris aktuelle Entwicklungen in der Schiedsgerichtsbarkeit vor, woraus sich eine lebhafte Diskussion entwickelte, die vor allem dadurch gewann, dass viel der Anwesenden selbst schon in Schiedsverfahren beteiligt waren. Die Vortragenden warben explizit darum, dass sich Legal Counsel überlegen sollten, auch als Schiedsrichter tätig zu sein, wenn ihre tägliche Arbeitsbelastung das zulässt. Schiedsrichter sollten eben „Nicht nur Richter und Anwälte sein“, gerade in den Rechtsabteilungen von Wirtschaftsunternehmen ist ein hohes Praxiswissen gesammelt.

Quergedacht: Leben ungelernt!

Thomas Wollner ist nicht nur Geschäftsführer von Rosenberger, sondern auch Management-Coach. In seiner authentischen, erfrischenden Art ermutigte er die Zuhörer, nicht immer alles so zu machen wie alle anderen, großzügig zu sein und nicht ins Micromanagement abzugleiten:
Niemand braucht einen Restaurantleiter der dem Koch erklärt, wie er Schnitzel brät. Aber er muss sich darum kümmern, dass der Koch auch in 2-3 Jahren noch einen Job hat.

Am Casino-Abend bei Black Jack, Poker und Roulette spielte man Compliance-konform um Jetons, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat.

Im Staccato: was hat sich geändert, was wird sich ändern?

Am Morgen des zweiten Tages, nach einem kurzen Qi Gong-Training mit Robert Egger (damit das Hirn wieder mit frischem Sauerstoff versorgt wird), begannen Ulrich Torggler (Uni Wien) und Stefan Weber (Weber RAe und Universität des Saarlandes) den Tag. In einem eineinhalbstündigen Parforceritt durch Rechtsprechung und Gesetzgebung der seit dem letzten Unternehmensjuristen-Circle vergangenen 12 Monate wurde das bewährte und beliebte Update Recht gegeben.

Parallele Vorträge am Freitag Vormittag

  • Wer nach dem morgendlichen Qi Going noch weitere Lust verspürte konnte mit Robert Egger nun noch mehr Zeit zur Reflexion und Stärkung der persönlichen Fähigkeiten verbringen und damit weiter über den rein fachlich-juristischen Tellerrand hinauszublicken.
  • Contract Mananagent als Kerngeschäft der Rechtsabteilung wird Unternehmensjuristen auch in Zukunft beschäftigen. Hier zeigte Sylvia Hess (Red Bull Media House), was bei elektronischer Vertragserstellung und -verwaltung sowie Verwaltung von immateriellen Rechten inzwischen möglich ist.
  • Während Stefan Stockinger vorstellte, wie Legal Tech in der Rechtsabteilung von OMV verwendet wird und welche organisatorischen Schritte gesetzt werden müssen, um neue Technologien überhaupt sinnvoll einsetzen zu können.

Was ist Hype, was sind Buzzwords, was Trends, was Zukunftsmusik was ist Realität?

Prof. Dr. Tassilo Pelegrini von der FH St. Pölten eröffnete das Abschlusspanel und prognostizierte, dass sich die Organisation juristischer Arbeit „von Pyramide zu Rakete“ wandeln werden. Während die Spitze unverändert bleibt, werden die unterstützenden Strukturen immer schlanker werden. Durch zielgerichteten Einsatz von Technologie lässt sich mit weniger Personen immer noch das Gleiche umsetzen.

In der Schlussdiskussion traten zu Prof. Pelegrini noch Lukas Flener von Fellner Wratzfeld und Partner, Gernot Thanner, Legal Counsel von IBM Österreich sowie Veronika Haberler, die mit LeReTo ein erfolgreiches Legal Tech Startup führt, hinzu. Einigkeit herrschte darin, dass die Umsetzung nun im Gange ist und im Change-Management vor allem die Mitarbeiter abgeholt werden müssen. Es werden sicher Mitarbeiter abgebaut werden, dafür würden an anderer Stelle neue Jobs entstehen. Alle schauen gespannt darauf, was sich bis in einem Jahr geändert haben wird: 
Der nächste Unternehmensjuristen-Circle findet am 6. / 7. Juni 2019 wieder in Stegersbach statt.

Ein besonderer Dank gilt dem Dreamteam der Partner

 

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Bildnachweis:

Heiko Hofmann

Heiko ist ein alter Hase im Business, kommt ursprünglich aus Bayern und ist in Frankfurt aufgewachsen. Er liebt Tweed und Tracht, fährt jährlich auf ein Sommerlager und genießt Abends gerne mal Single Malt oder eine Pfeife.

hofmann@businesscircle.at
+43 1 522 58 20-30

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