„Künstliche Intelligenz“ kann nicht komplex!

Wir sind von so unfassbar vielen Daten umgeben, dass es regelmäßig einen ausgerufenen Hype braucht, damit wir alle wissen, auf welches Thema wir unsere Aufmerksamkeit zu fokussieren haben. Der aktuelle Hype lautet "Künstliche Intelligenz" (KI, englisch artificial intelligence, AI). Digitalisierung und Agilität stehen begrifflich schon in der zweiten Reihe. Sie werden noch allerorten bedient, aber es brauchte eine Potenz, die unsere Emotionen wieder zum Brodeln bringt.

Es gibt keine Künstliche Intelligenz

Da bietet es sich an, eine vermeintlich konkrete Angst vor der Machtübernahme der Maschinen zu beschwören. In den vielen Artikeln und Interviews finden sich all die passenden Begrifflichkeiten – von der Intelligenz über die Empathie zu selbstlernend. Dumm nur, dass eine Abgrenzung zu unserer Alltagssprache nicht stattfindet und so das Verständnis menschlicher Empathie assoziiert wird. Dumm deshalb, weil Maschinen weder intelligent noch empathisch sind. Auch eigenständig lernen können sie nicht. Um es mal auf den Punkt zu bringen:

Es gibt keine Künstliche Intelligenz (Stand heute), denn wir können unser Gehirn nicht nachbilden, solange wir noch nicht verstanden haben, wie es funktioniert.

 

Und Sie können von Algorithmen, Neuronalen Netzen, Deep Learning oder was auch immer sprechen, diese Maschinen tun nichts, ohne dass wir Menschen ihnen mindestens mal ein paar Daten und ein Ziel vorgeben. 

Maschinene können keine Intelligenzleistung abrufen

Maschinen entscheiden nicht, haben keine Erkenntnisse und können schon gar nicht den Kontext wechseln und so Intelligenzleistung abrufen. Sprachlich aber tun wir so als wären es Wesen und als bestünde die Möglichkeit, dass sie eigenständig Dinge tun oder entscheiden. 

 

Wir Menschen sind es, die diese Maschinen beauftragen, bauen und nutzen.

 


Aus dieser Verantwortung kommen wir nicht heraus – und wir sollten uns ihrer bewusst sein und miteinander klären, was die KI für uns tun soll und was nicht. Dieser öffentliche Diskurs allerdings fehlt weitestgehend. Macht halt auch nicht so viel Spaß. Da kann man aufmerksamkeitsheischender über die ewige Frage zum autonomen Fahren fachsimpeln: Soll der Wagen im Zweifelsfall die alte Frau oder die Mutter mit Kind überfahren. Kleine Randbemerkung, es gibt bis heute noch keine KI, die diese Menschen voneinander unterscheiden könnte.

Die Probleme, die wir mit der Digitalisierung lösen wollen sind komplex

In der jetzigen Diskussion über Künstliche Intelligenz passiert dasselbe wie bei jedem Hype, es wird trivialisiert was das Zeug hält. Es wird in Überschriften und nicht spezifizierten Schlagworten debattiert und stark vereinfacht. Auf dieser einfachen Ebene kann dann auch jeder Mensch mitdiskutieren. Die Probleme, die wir mit KI oder auch der Digitalisierung lösen wollen sind komplex - wie beispielsweise Mitarbeiter einzustellen, den Pflegenotstand zu lindern oder Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt zu helfen. Maschinen können nur kompliziert. Das ist das eigentliche Dilemma in dem wir (seit langem übrigens) stecken. Wir vereinfachen und versuchen, komplexe Probleme kompliziert zu lösen. Das funktioniert nicht.

Wir brauchen einen sachgemäßen Umgang mit Komplexität. Das ist die Hausaufgabe, auf die uns die steten Hypes aufmerksam machen. Ein sachgemäßer Umgang bedeutet unter anderem, zu begreifen, welcher Teil einer Problemstellung überhaupt sinnvoll von einer KI gelöst werden kann und welcher nicht. Dazu wiederum braucht es ein Grundverständnis von Algorithmen & Co. und von Komplexität. Wir Menschen sind Meister im Lösen komplexer Probleme, dafür nutzen wir Erfahrungswissen, Intuition und unsere Intelligenz. Und das genau wird uns auf unabsehbare Zeit von den Maschinen unterscheiden:

 

Wir sind komplex, die Künstliche Intelligenz nicht.

Über die Autorin Stehphanie Borgert:

Dipl.-Inform. Stephanie Borgert ist Keynote Speakerin am Prozess-Management Forum am 16. / 17. Mai 2019 in Wien. Ihr Motto: Die Komplexität lässt sich nicht reduzieren, aber sie lässt sich meistern. Agilität ist eine erste gute Antwort, braucht jedoch einen Paradigmenwechsel. Sie verantwortete internationale IT-Projekte und den Ausbau neuer Geschäftsfelder bevor sie 2007 denkSystem gründete. Seitdem berät sie Unternehmen, die ihre Organisation zukunftsfähig gestalten wollen.

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Bildnachweis: © Borgert, Business Circle, Pexels

Georg Reiser

Als sprichwörtliche Leseratte verbringt Georg den größten Teil seiner Zeit auf der Suche nach dem "Friedhof der verlorenen Bücher" oder wartet hoffnungsvoll auf Godot. Wenn er nicht gerade Abenteuer in seinem Kopf besteht, versucht er seinem Namen gerecht zu werden und möglichst viel von der Welt zu sehen.

reiser@businesscircle.at
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