BIG BLENDER – von Blendern, Tarnern und Täuschern

Menschen der Gattung Blender, Tarner und Täuscher greifen tief in die Trickkiste, um nicht vorhandene oder schwach ausgeprägte Kompetenzen und Fähigkeiten durch eine gekonnte Selbstdarstellung zu inszenieren. 

Patricia Staniek ist Profilerin für Sicherheit, Wirtschaft, Politik und Medien und Vortragende des Seminars "Profiling - Exklusiv für HR-Experten"

Big Blender

Um intelligent zu wirken, als smart, taff und weltoffen durchzugehen, braucht man nicht der oder die Intelligenteste zu sein, auch nicht der oder die Kompetenteste. Man muss sich lediglich gut inszenieren können. Es hilft eine Charmedusche – ein rhetorisches Talent zu sein –, welche oberflächlichste Komplimente sehr weitreichend versprüht und viele Versprechen und Zugeständnisse macht, die niemals eingelöst werden. Das können sie, das ist bei vielen eine Qualität die ihresgleichen sucht.

Sie nicken in Meetings stumm und bestätigen damit Dinge von denen sie nicht immer etwas verstehen. Machen dabei wie wild Notizen, googeln etwas nach, werfen mit Statistiken und Diagrammen um sich, denn die Zahlen lügen nicht. Aussagen wie "Wir sollten da mal reflektieren!" oder "Darf ich dazu das Quellenverzeichnis sehen?" bringen Punkte auf der „Ich blende mich hoch-Liste“. Sie schmücken sich mit fremden Federn, kriegen noch schnell die Fluchtkurve, wenn es Arbeit gibt.

Die Optik ist ein wichtiger Punkt. Mit tollen, in dunklen Farben gehaltenen Slim Fit-Anzügen der Top-Markenhersteller glänzen sie natürlich auch optisch. Dreiteiler wirken mächtiger und wer die dominierende rote Krawatte neben der Blasslilanen und der Grünen der Sitznachbarn hat – der hat gewonnen, den größten Kragen bei der machtvoll wirkenden Businessbluse und den intelligentesten Blick durch die Glasbrille. Initialen und Monogramme ziehen sich durch – wie ich hörte – bis zur Unterwäsche. Und nun: Wer gepflegten Bart trägt, der wirkt intellektueller und intelligenter behaupten die Imagemaker. Aber nur bei den Männern. Oft erkennt man sie am Wichtigtun schon von der Ferne. Schon die körpersprachlichen Signale sind von Wichtigkeit durchflutet. Und das Spannende:

Die Blender, Tarner und Täuscher treiben auch in Toppositionen ihr Unwesen.

Ja, natürlich öffne ich hiermit eine große Schublade, die dennoch nicht so groß ist, dass alle Blender darin Platz finden würden, die ich je kennen gelernt habe. Also beobachten Sie einmal genau, wer Ihnen denn so ins Blickfeld gerät.

Der Umgang mit Blendern, Tarnern und Täuschern

Grundsätzlich blicke ich bei Menschen hinter die Fassaden, reiße ihnen aber die Maske nicht runter. Die Menschen die in meinem Umfeld sind oder mit mir zu tun haben, wissen worauf sie bei mir vertrauen können – bei aller Klarheit und Deutlichkeit ist meine Formulierung korrekt und professionell.

Und das sind meine Tipps, wenn Blender ihren Lieblingssport „sich mit fremden Federn schmücken“ betreiben:

  • Bleiben Sie professionell „immer über der Gürtellinie“

  • Ärgern ist eine Entscheidung. Kontrollieren Sie den Ärger-Impuls und üben Sie sich in Souveränität und Gelassenheit. Menschen in gestressten oder emotionalen Situationen geraten in einen geistigen Tunnel und sind nicht mehr in der Lage souverän zu handeln.

  • Sie sind überrascht, weil der Blender gerade Ihre Idee präsentiert? Handeln Sie sofort!

Hier ein Beispiel wie Sie vor anderen Zuhörern agieren können:

"Vielen Dank, dass du meine Idee schon heute hier aufgreifst. Dazu möchte ich noch gerne ein paar wesentliche Punkte ergänzen."

Ein Beispiel wie Sie ein weiterführendes Gespräch mit dem Blender „elegant“ formulieren können:

"Ich bin irritiert (ärgerlich, erstaunt, sauer…) darüber, dass meine Idee heute ohne mein Wissen von dir präsentiert wurde. Da entstand bei mir der Eindruck, dass du meine Idee als die Deine verkaufen wolltest. Ich erwarte mir von dir, dass du meinen Namen, wenn es um meine Ideen geht, als Ideengeber nennst, mich vorher darüber informierst und mich einbindest."

Falls Sie Ihre Pappenheimer schon kennen:

  • Wenn Sie eine verschriftlichte Idee aus der Hand geben, verwenden Sie stets Wasserzeichen und versehen Sie die Dokumente mit Ihrem Namen.
  • Bleiben Sie argwöhnisch und beobachten Sie!
  • Wenn der Blender Behauptungen aufstellt und Sie von der Richtigkeit nicht überzeugt sind, fragen Sie nach! "Wie war das genau?" "Mit wem konkret hast du gesprochen?" "Was genau war die Aussage?"

Patricia Staniek

Autorin des Blogbeitrags ist Profilerin Patricia Staniek - Patricia Staniek Int. Consulting & Profiling. Sie ist Vortragende im Erfolgsseminar Profiling - Exklusiv für HR-Experten. Nächster Termin: 5. / 6. Juni 2018, Wien

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Bildnachweis: © Patricia Staniek, iStockphoto.com/caracterdesign, iStockphoto.com/FANDER09

Karin Neubauer

Wenn sie nicht gerade durch das Mittelmeer segelt, feilt Karin bei Business Circle an neuen Marketingkonzepten und Vertriebsmöglichkeiten. Sie ist eine leidenschaftliche Biogärtnerin und hält sich mit Laufen fit für lange Konferenzabende.

neubauer@businesscircle.at
+43 1 522 58 20-27

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